150 Jahre Straßenbahn in Bremen

Am 12. April 1875 reichte der Zivil-Ingenieur Carl Westenfeld den Bau einer Pferdebahn vom Herdentor nach Oberneuland zur Genehmigung ein. Nach längeren Verhandlungen erhielt er am 7. April 1876 die Genehmigung zum Bau einer Strecke vom Herdentor nach Horn, weil für die Gesamtstrecke das Kapital nicht ausreichte.

Der Bau der ersten Strecke dauerte nur etwa fünf Wochen und nach einer Probefahrt am 31. Mai erfolgte am 4. Juni die Inbetriebnahme der ersten Strecke der Bremer Pferdebahn. Ab 1879 bekam die Bremer Pferdebahn Konkurrenz durch die Große Bremer Pferdebahn, und beide Gesellschaften erweiterten in den Folgejahren ihre Netze. 

Mit der 1892/93 erfolgten Elektrifizierung des Netzes der Bremer Straßenbahn, wie sich die Bremer Pferdebahn nun nannte, geriet die Konkurrenzgesellschaft ins Hintertreffen. Ihr hatte der Senat die Genehmigung zum elektrischen Betrieb verweigert, so dass sie 1899 gegen Zahlung mit Aktien im Wert von 2.500.000 Mark von der Bremer Straßenbahn übernommen wurde. Es begann nun ein Ausbau des Netzes in verschiedene Stadtteile. 1911 endete der Pferdebahnbetrieb und die Elektrische wurde endgültig zu einem Massenverkehrsmittel. Nach dem zweiten Weltkrieg machten der Omnibus und private Pkw dem Straßenbahnbetrieb zu schaffen, was zu einer Stilllegung mehrerer Strecken führte. Ab den späten Sechzigerjahren konzentrierte man den Schienenverkehr auf die Hauptlinien, wobei dicht besiedelte Stadtteile auch mit Neubaustrecken erschlossen wurden.

Erst seit Mitte der Neunzigerjahre wurde das Netz deutlich ausgebaut und erreicht mittlerweile auch das niedersächsische Umland. Heute ist die Straßenbahn das Rückgrat des stadtbremischen Nahverkehrs und wird durch ein leistungsfähiges Busnetz ergänzt, das in den kommenden Jahren vollständig von E-Bussen bedient werden wird.



Die Bremer Straßenbahn von 1876 bis 2026
1876Aufnahme des Betriebs der Aktiengesellschaft Bremer Pferdebahn
1890Inbetriebnahme der ersten elektrischen Versuchsstrecke
1914Erste Buslinie (Oberleitungsbus)
1945Neubeginn nach dem Krieg
1967Eröffnung der Linie 1 in Richtung Neue Vahr
1971Einführung des ersten Firmenlogos (liegende Acht mit rotem Kreis)
1978Übernahme des Stadtverkehrs in Delmenhorst (Gründung der DelBus)
1986Einführung der Bremer Karte
1989Erprobung der ersten Niederflurstraßenbahn
2012Eröffnung der Linie 1 in Richtung Tenever & Weserpark
2014Eröffnung der Linie 4 bis nach Lilienthal
2026150 Jahre Mobilität für Bremen und Umland



Die alte Linie 6 im Findorff-Viertel

„Alles aussteigen bitte!“
Vor 50 Jahren fuhr in Findorff zum letzten Mal die Straßenbahn


Am 17. Juni 1967 fuhr in Findorff zum letzten Mal eine Straßenbahn. Es war die Linie 6, die auf ihrem Schienenweg über die Eickedorfer Straße, Hollerallee und Gustav-Deetjen-Allee zum Hauptbahnhof und weiter über am Am Brill, Langemarck- und Pappelstraße bis zu ihrer Endstelle in der Neustadt (Gastfeldstraße, Ecke Kirchweg) rollte.
Am nächsten Tag, den 18. Juni wurde dann die Liniennummer 6 an die bisherige Linie 16, Riensberg – Grolland, abgegeben. Ebenso wurde die bisherige Linie 15, Kulenkampffallee – Flughafen, zur seit 1964 freien Liniennummer 5 (bis dahin auch eine Findorffer Linie). Und nicht zu guter Letzt wurde die neue Linie 1 eingeweiht.

Der Stadtteil Findorff war seit vielen Jahrzehnten auf Schienen erreichbar gewesen. So nutzte die Hamburger Eisenbahnstrecke von 1873 bis 1889 die Trasse im Zuge der heutigen Fürther und Eickedorfer Straße und hatte etwa in Höhe der ÖVB-Arena (Stadthalle) einen eigenen Endpunkt, den Venloer Bahnhof. Ab dem Jahr 1900 bis 1954 wurde dieser Weg teilweise von der schmalspurigen Kleinbahn „Jan Reiners“, die bis nach Lilienthal und Tarmstedt verkehrte, genutzt.

Am 6. August 1913 folgte dann die Anbindung an das Bremer Straßenbahnnetz: Die neu eingerichtete Linie 9 fuhr von der Hemmstraße über Admiralstraße, Breitenweg, Hauptbahnhof, Am Dobben und Sielwall bis zur St.-Jürgen-Straße. Durch die zügige Stadterweiterung der Bremer Wohngebiete vor dem Ersten Weltkrieg wurde für den Stadtteil Findorff der Anschluss an das Straßenbahnnetz erforderlich. Die Endstelle befand sich in der Hemmstraße an der heutigen Kreuzung mit der Eickedorfer Straße. 
Die einzeln fahrenden Triebwagen wurden gut angenommen. Die „9“ erbrachte von allen Straßenbahnlinien seinerzeit den zweithöchsten Kilometerertrag!

Im Jahr 1927 – vor 90 Jahren – wurde die seit 1890 bestehende Straßenbahnstrecke vom Bürgerpark bis zur Hemmstraße verlängert, so dass in Findorff eine Ringstrecke entstand. An der Kreuzung Hemmstraße / Eickedorfer Straße wurden die Gleise der Kleinbahn Bremen-Tarmstedt gekreuzt. Die neue Strecke führte vom Hauptbahnhof über Bürgerpark, Eickedorfer Straße und weiter wie vordem über Hemmstraße, Admiralstraße durch die Findorffunterführung und Breitenweg zurück zum Hauptbahnhof. Das ermöglichte auch die Neuordnung des Liniennetzes. Die „9“ wurde allerdings eingestellt. Ihre Strecke übernahmen jedoch andere Linien. Findorff wurde fortan von den Straßenbahnlinien 5 und 6 im Ringverkehr erschlossen. Die Strecke durch die Admiralstraße lief so gut, dass die Linien 5 und 6 dort von der „15“ verstärkt wurden. Den westlichen Abschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Steintor übernahm die Straßenbahnlinie 10 – und so ist es bis heute geblieben. Eine weitere Veränderung gab es im Jahr 1952. Fortan bedienten die Linien 5, 6 und 7 den Stadtteil Findorff. Die Linien 5 und 7 fuhren im Ringbetrieb (Linie 5 über Eickedorfer Straße und Admiralstraße, die Linie 7 entgegengesetzt). Die „6“ verstärkte den über den Bürgerpark führenden Ast. Nach einem Umbau 1960 fuhr die Straßenbahn in der Eickedorfer Straße ganz modern auf einem besonderen Bahnkörper unabhängig vom Autoverkehr.
Bereits 1964 entfiel jedoch die Linie 5. Die „7“ fuhr daher in beiden Richtungen über die Admiralstraße. Um das zeitraubende Rangieren an der Endstelle zu ersparen, wechselten die Züge an der Endstelle Hemmstr. ihre Liniennummern von 6 nach 7 und umgekehrt.

Das „Aus“ für die Straßenbahn im Stadtteil Findorff kam in zwei Schritten: Die Linie 7 trat im Jahr 1965 ihre letzte Fahrt an, die Linie 6 folgte 1967. Die Busse der Linien 25 und 26 ersetzten sie. Damit hatte der Stadtteil seine Anbindung per Schiene verloren.



Jubiläumstermine 2026

22.03.2026Themenfahrt:
150 Jahre Linie 4
06.06.2026großer Fahrzeugkorso
07.06.2026Historischer Linienverkehr
19.09.2026Themenfahrt:
Auf den Spuren der Linie 7
10.10. & 11.10.2026Festwochenende
100 Jahre Betriebshof Sebaldsbrück & Modellbautage






Partner der BSAG