Pferdebahnwagen 23

Pferdebahnwagen 23

Pferdebahnwagen 23

Baujahr1888
Im Einsatz bis1925
Sitzplätze / Stehplätze16 / 30
GeschwindigkeitSchritt
Länge / Breite / Höhe6,2m / 2,0m / 3,0m


Der Pferdebahnwagen 23 ist ein 1888 gebauter Einspänner aus einer Serie von vier Fahrzeugen, die die Große Bremer Pferdebahn, eine Firma der englischen Tramways Union Company Limited, für die Konkurrenzgesellschaft Bremer Pferdebahn 1888 baute. Die Herstellung erfolgte in der Werkstatt Walle der Großen Bremer Pferdebahn, später erste Hauptwerkstatt der Bremer Straßenbahn, heute Kulturzentrum Westend.
Die einfachen Lattensitzbänke sind in Längsrichtung angeordnet, so dass auf jeder Wagenseite acht Fahrgäste Platz finden. Eine Heizung gibt es nicht. Petroleumlampen, jeweils eine vorne rechts in der Perronwand, erhellen den Innenraum und den Perron. Die Lüftung erfolgt durch die Fenster des Laternendaches und eine Lüftungsöffnung jeweils in den Türen zum Innenraum. Die Klingelleine ist mittig durch den Dachbereich des Wagens geführt. Das Fahrzeug besitzt kein Fahrgestell. Die Achshalter sind direkt mit dem Wagenkasten verschraubt. Der Achsstand beträgt 1,50 m.
Von dieser Wagenkastenbauart inklusive Varianten wurden für beide Pferdebahnbetriebe insgesamt 45 Stück hergestellt. Die ersten drei elektrischen Triebwagen für die Ausstellungsbahn von 1890, Tw 31 – Tw 33, erhielten denselben Aufbau. Auch die Pferdebahn in Bremerhaven wurde mit dieser Bauart beliefert.
1890 und dann ab 1892 wurde der Wagen ohne Umbauten auch als Beiwagen hinter den ersten elektrischen Triebwagen benutzt. Mit der Fusion beider Betriebe wurde er 1900 zum Beiwagen 223 umgebaut (separates Fahrgestell und um 12cm heruntergesetzter Perronboden). 1907 erhielt er die Nummer 283.
Im Jahre 1925 wurde er dann ausgemustert und in eigenen Werkstätten zum Kleingartenhaus umgebaut. Die eine Fensterseite wurde mit Perron-Frontblechen der Wagen 286 und 28x verschlossen. Das Fahrgestell und überflüssige Anbauteile, wie die Türgriffe und die Lüftungsklappe der zweiten Perrontür wurden entfernt. Der zweite Perron diente nun als Geräteraum.
Der Wagen wurde an Privat verkauft und gelangte, wie viele seiner Kollegen, in das Kleingartengebiet Bremen-Walle. Er überstand auch eine Luftminenexplosion im zweiten Weltkrieg und verlor lediglich seine Seitenscheiben.
2007 wurde er durch den 2. Vorsitzenden des FdBS wiederentdeckt und konnte im Juni 2009 mit Hilfe des THW, Ortverband Bremen-Mitte, geborgen werden. Seither steht er restauriert im Depot Sebaldsbrück und kann zu besonderen Anlässen auch wieder rollen.